West Highland Way – Hinweise – Tipps – Vorbereitung

13 Tage auf dem schottischem Fernwanderweg von den Lowlands in die Highlands

Fernwanderwege sind eine besondere Sache, eine besondere Art, ein Land kennen zu lernen, eine Landschaft, eine Wildnis, oder sich selbst. Es ist eine Art von Pilgerschaft, Meditation, Selbsterfahrung, die einen nach der Wanderung anders leben lässt – wenn auch oft leider nicht lange.
Diesmal, im Juni 2019, soll es der West Highland Way in Schottland sein.
Der Weg führt 154 km von Milngavie den Norden hoch nach Fort William – vom Rande der größten Stadt Schottlands zum Fuße des höchsten Berges Großbritanniens, am Ufer des größten Sees entlang und über das größte Moor. Der West Highland Way ist jedoch viel mehr als eine Verbindung dieser topografischen Superlative. Hohe Munroes, malerische Hochmoore, grüne Hügel, Schafsweiden – auf dem Fernwanderweg zeigt sich die schottische Landschaft von ihrer schönsten Seite. Vor allem der Loch Lomond, das Rannoch Moor und das Devil’s Staircase sind Highlights, die man so schnell nicht vergessen wird. Und in den zahlreichen idyllischen Unterkünften und heimeligen Pubs in den kleinen Dörfern entlang des Weges, genießt man die schottische Gastfreundschaft bei einem Pint Guniess.
Der West Highland Way ermöglicht ein teils angenehmes und entspannendes Gehen, teils anstrengend und rau, teils abgelegen und den Elementen ausgesetzt.
Hier ein erster kleiner Vorbericht über unsere Wanderung in den schottischen Highlands.

West Highland Way – Daten. Zahlen. Fakten.

Der West Highland Way ist der erste offizielle Fernwanderweg Schottlands und wurde 1980 eröffnet. Der Weg beginnt in den sogenannten Lowlands und führt in die Highlands. Vom Start bis zum Ziel sind 154 km zurück zu legen, alle Anstiege zusammen gerechnet müssen auf der gesamten Strecke eine Höhendifferenz von insgesamt 4.500 m bewältigt werden.
Der West Highland Way beginnt in Milngavie im Norden von Glasgow. Der erste Streckenabschnitt führt durch hügeliges, meist landwirtschaftlich genutztes Gelände zum Loch Lomond, Schottlands größtem Süßwassersee. Danach verläuft er weiterhin am Ostufer des Sees, passiert dann die Highland-Boundary-Fault und gelangt am nördlichen Ende des Sees ins Glen Falloch, ein Tal mit einem reißenden Fluss.
Durch eine immer schroffer und gebirgiger werdende Landschaft gelangt man ans Rannoch Moor, Schottlands größtes zusammenhängendes Moorgebiet. An der Westseite des Moores entlang kommt man zum Eingang des berühmt-berüchtigten Tales Glen Coe.
Von dort geht es steil die Devil’s Staircase hinauf auf einen Pass in 550 m Höhe, den höchsten Punkt des gesamten Weges. Der Abstieg führt hinab nach Kinlochleven, einer kleinen Stadt mitten in der Wildnis der Highlands. Den letzten Abschnitt bestimmt dann Ben Nevis, mit 1.344 m der höchste Berg Großbritanniens, an dessen Fuß der Weg in Fort William endet.

Die meisten Wanderer nehmen sich für den West Highland Way 7 oder 8 Tage Zeit.

Ein 7-Tage-Wanderplan könnte z.B. so aussehen:

Hier ein Vorschlag für einen 8-Tage-Wanderplan:

West Highland Way – Wo man so schläft.

Auf dem West Highland Way kann man zwischen ganz unterschiedlichen Unterkünften wählen: Hotel, Pension, B&B, Hotel, Zelten oder Hüttchen auf dem Campingplatz, Jugendherberge, Bothy (sehr rudimentär ausgestattete Selbstversorgerhütte) Wild Campen.

Fast an jedem Etappenziel findet man ein Hotel. Die Hochlandhotels haben zum Teil eine über mehrere Hundert Jahre zurückreichende Geschichte als Driver’s Inn. Diese Häuser sind oft gemütlich und stilvoll eingerichtet und sehr beliebt.

Nahezu überall, auch zwischen den Etappenzielen, erhält man Unterkunft in Pensionen, Gästehäusern oder in privaten Zimmern. Eine britische Spezialität ist B&B (Bed & Breakfast).

Entlang des West Highland Way liegen drei Jugendherbergen des SYHA (Scottish Youth Hostels Association): in Rowardennan, in Crianlarich und im Glen Nevis, 5 km vor Fort William.

Schottland ist eines der letzten Gebiete Europas, wo man wild zelten darf. Dies gilt auch für den West Highland Way – mit der Ausnahme des Wegstücks von Balmaha nach Rowardennan am Loch Lomond entlang. Entlang des Weges gibt es auch eine ganze Reihe offizieller Campingplätze.

An vielen Orten ist die Zahl der Betten sehr gering, deshalb empfiehlt sich für alle Etappenziele eine Vorausbuchung – ganz besonders für das Kingshouse Hotel im Rannoch Moor. Im Internet findet man einige Seiten, über die man Unterkünfte suchen und buchen kann:
https://www.hostellingscotland.org.uk/be-inspired/west-highland-way/
https://www.westhighlandway.org/accommodation/
https://amsscotland.co.uk/west-highland-way-accommodation-tour-packages/

West Highland Way – Gepäcktransport.

Obwohl manche Wanderer der Auffassung sind, dass man den West Highland Way nur wirklich bezwungen hat, wenn man auf der gesamten Strecke auch sein gesamtes Gepäck selbst getragen hat, werden es immer mehr, die auf die Mitnahme eines 15 oder mehr Kilogramm wiegenden Rucksackes verzichten und ihr Gepäck einem Transportunternehmen anvertrauen, das es von Etappe zu Etappe vorausbringt.
Inzwischen haben sich einige Service-Unternehmen etabliert, die den Rucksack von Etappe zu Etappe über den gesamten West Highland Way bis zur jeweiligen Unterkunft transportieren:
https://travel-lite-uk.com/
https://amsscotland.co.uk/transport/

West Highland Way – Wanderführer und Karten.

Der West Highland Way ist zwar durchweg sehr gut beschildert und wird auch auf vielen Internetseiten beschrieben, dennoch ist ein gutes Reisehandbuch für die Planung im Vorfeld und als Wegbegleiter auf der Wanderung hilfreich. Unentbehrlich sind die Hinweise und Tipps zu Übernachtungs- und Einkaufsmöglichkeiten, Verkehrsanbindungen, Gepäcktransport, Trinkwasser, Mücken und auch zu den Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke. Für den Fernwanderweg gibt es viele englischsprachige Wanderführer, auch einen auf deutsch:

Schottland: West Highland Way, Conrad Stein Verlag
Walking the West Highland Way, Cicerone

Über die gesamte Länge ist der West Highland Way sehr gut markiert. In der Regel besteht die Markierung aus quadratischen Holzpfählen, die eine stilisierte Distel, die Nationalblume Schottlands, tragen. An einigen Stellen lassen sich die Pfähle in der Vegetation nur schwer ausmachen, aber der Weg ist nicht zu verfehlen. So ist die Mitnahme einer Wanderkarte eigentlich nicht unbedingt notwendig, aber für die Orientierung in der Umgebung doch hilfreich. Aus der großen Auswahl seien hier zwei vorgestellt:

OS Explorer West Highland Way map set, Ordnance Survey
Walking the West Highland Way, route map booklet

West Highland Way – GPS-Daten.

Für die perfekte Orientierung, vor allem beim schottischen Hochlandnebel, ist ein GPS-Gerät mit entsprechender Großbritannien-Karte hilfreich. Für Garmin-Geräte gibt es die kostenlose OSM-Freizeitkarte, die ca. alle zwei Monate aktualisiert wird und die wirklich alle Wege und Pfade darstellt. Diese Karte kann auf dem PC mit dem kostenlosen Programm Basecamp zur Planung der Tracks benutzt werden und selbstverständlich auch mit den Tracks und Wegpunkten auf das GPS-Gerät übertragen werden.

Den GPX-Track unserer WHW-Tour biete ich hier an:

Icon

WHW – Gesamttrack

521.01 KB 37 downloads

West Highland Way – Die Eckdaten unserer Wanderung.

Von Anfang an war klar, dass wir den West Highland Way ähnlich angehen wollen wie unsere erfolgreiche Tour of the Lake District im Juni 2016:

  • Dauer inkl. An-, Abreise und Zusatztag in Fort William: 14 Tage
  • selbstorganisiert
  • Etappenlänge möglichst nicht über 15 km
  • Übernachtungen in den Jugendherbergen, Hostels, B&B, Bunkhouses
  • ohne Zelt
  • möglichst wenig Gepäck
  • ohne Gepäcktransport

Nach dem Studium der verschiedenen Wanderführer ergab sich eine erste Etappeneinteilung. Nun ging es an das Buchen der Unterkünfte – sieben Monate vor Tourbeginn waren fast alle ausgesuchten Unterkünfte noch frei und konnten gebucht werden. Damit sah unser Etappenplan so aus:

EtappeStartZielLänge (km)Aufstieg (m)Abstieg (m)
1MilngavieDrymen22,0250250
2DrymenBalmaha12,5390430
3BalmahaRowardennan13,0250250
4RowardennanInversnaid12,0390390
5InversnaidInverarnan12,028275
6InverarnanCrianlarich11,0350190
7CrianlarichTyndrum11,0330275
8TyndrumInveroran15,0250300
9InveroranKingshouse16,0260200
10KingshouseKinlochleven15,5430660
11KinlochlevenGlen Nevis21,0420410
12Glen NevisFort William5020
  Gesamt166,03.3483.650

Für Fort William bzw. für die Jugendherberge Glen Nevis planten wir einen weiteren Tag ein mit vier Möglichkeiten für eine Tagestour:

  • Wanderung in das Glen Nevis mit Steall Falls und Drahtseilbrücke; die Steall Falls sind mit gut 120 Metern Fallhöhe der zweithöchste Wasserfall in Schottland;
  • Wanderung auf den Ben Nevis, mit einer Höhe von 1.345 Metern der höchste Berg Schottlands und Großbritanniens;
  • Wanderung zur Neptune’s Staircase, einer Schleusenanlage im Kaledonischen Kanal; sie besteht aus acht Schleusenkammern und ist die längste Schleusentreppe Großbritanniens;
  • Fahrt mit dem Zug von Fort William über die Harry-Potter-Strecke nach Mallaig und zurück.

Je nach Lust und Laune und abhängig vom Wetter wollten wir uns spontan für eine Variante entscheiden – geworden ist es dann das Glen Nevis mit den Steall Falls.

Dieter Moßbrucker

Dieter ist Vater und Opa, Wanderer und Trekker, Computer- und WordPress-Fan – und versucht, alles unter einen Hut zu bekommen. Seit vielen Jahren lieben wir das Wandern, Kanu- oder Fahrradfahren: am Bodensee, in Skandinavien, in den Alpen oder entlang verschiedener Flüsse.
Seit Herbst 2015 gibt es diese Seite mit vielen neuen Berichten über Trekkingtouren und Wanderungen. Die früheren Berichte ab 1993 findet ihr auf der alten wildnis-wandern Seite.
Dieter Moßbrucker

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Über Dieter Moßbrucker

Dieter ist Vater und Opa, Wanderer und Trekker, Computer- und WordPress-Fan – und versucht, alles unter einen Hut zu bekommen. Seit vielen Jahren lieben wir das Wandern, Kanu- oder Fahrradfahren: am Bodensee, in Skandinavien, in den Alpen oder entlang verschiedener Flüsse. Seit Herbst 2015 gibt es diese Seite mit vielen neuen Berichten über Trekkingtouren und Wanderungen. Die früheren Berichte ab 1993 findet ihr auf der alten wildnis-wandern Seite.

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