West Highland Way – Etappe 10

Etappe 10 auf dem schottischen West Highland Way: von Kingshouse Hotel nach Kinlochleven

Devil’s Staircase – Passhöhe.

Schmale Wanderpfade, ein satter, steiler Anstieg und Panoramablicke auf die Glencoe Mountains – der zehnte Abschnitt des West Highland Way vom Kingshouse Hotel nach Kinlochleven ist anspruchsvoll, aber er gehört zugleich zu den dramatischsten und schönsten des gesamten Weges. Er bietet alles, was sich Gebirgswanderer wünschen. Ingesamt müssen wir nur etwa 14 Kilometer zurückzulegen, die es allerdings in sich haben. Herzstück ist die sogenannte Devil’s Staircase – zahlreiche Serpentinenkurven, die den West Highland Way von 280 Metern Höhe auf 550 Meter hochhieven. Der Abstieg erfolgt zu einer ehemaligen Industriestadt mitten in der Wildnis der Highlands am Ostende von Loch Leven.

West Highland Way – Die Eckdaten der Etappe.

Tour-Datum18. Juni 2019
RegionSchottland
AusgangspunktKingshouse Hotel
EndpunktKinlochleven
Anforderungendieser Abschnitt ist eine echte Bergetappe
auf einem Bergpfad geht es die Devils’s Staircase auf einen Pass in fast 550 m Höhe, dem höchsten Punkt des gesamten West Highland Ways
nach dem Pass geht es auf gutem Pfad lange bergab bis ins entlegene Kinlochleven
Distanz14 km
Gehzeit4 – 5 Stunden
Höhenunterschied460 m aufwärts und 700 m abwärts
EinkehrKingshouse Hotel, Kinlochleven
Bemerkungen
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WHW10: Kingshouse-Kinlochleven

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West Highland Way – Die Beschreibung der Etappe.

Ein Blick aus dem Fenster beim Aufstehen zeigt: das wird heute ein ungemütlicher Tag, heftiger Regen, Wind, tiefliegende Wolken. So lassen wir uns Zeit beim Frühstück und Packen, lesen noch ein wenig in unserem Zimmer. Aber alles Trödeln nützt nichts, der Regen lässt nicht nach, und irgendwann müssen wir dann doch los in die Nässe.

Über eine schöne alte Brücke, die den River Etive überspannt, verlassen wir das Kingshouse Hotel und wandern entlang des Hanges von Beinn a’Chrùlaiste bis nach Altnafeadh, dem Eingang des Glen Coe. Der Weg ist einfach zu begehen und bietet trotz Regen und Wolken herrliche Aussichten auf Glen Coe und die umschließenden Berge. Besonders beeindruckt das Tal Lairig Gartain zwischen den beiden markanten Gipfeln Buachaille Etive Mòr und Buachaille Etive Beag. Vor Altnafeadh müssen wir ein kurzes Stück direkt neben der stark befahrenen A82 laufen, der Verkehrslärm ist arg nervend.

Dann stehen wir unten vor der Devil’s Staircase, der Teufelsleiter. Hier macht das Glen Coe einen leichten Knick nach links und führt weiter in Richtung Glencoe Village am Loch Leven. Auf der gegenüber liegenden Straßenseite gibt es einen Parkplatz, der ziemlich voll ist. Trotz Regen sind viele Tagesausflügler hier, um ebenfalls auf den Pass von Devil´s Staircase zu wandern.

Trotz seines schlechten Rufs ist der Aufstieg auf der Teufeltreppe überhaupt nicht schwierig – wenn nur der Regen nicht wäre. So kämpfen wir uns Meter um Meter höher, mit jeder Serpentine kommen wir dem Pass näher. Und auch die Aussicht auf die Gipfel von Glen Coe und Black Mount wird trotz trüber Sicht immer fazinierender.

Schließlich überqueren wir die durch einen Steinhaufen gekennzeichnete Passhöhe zwischen Beinn Bheag und Stob Mhic Mhartuin, den höchsten Punkt des West Highland Way (548 m).

An einem klaren Tag ist der Blick von der Passhöhe aus hervorragend – besonders nach Norden, wo Wanderer zum ersten Mal einen Blick auf Ben Nevis, Carn Mor Dearg und die Mamores werfen können. Doch heute ist es leider trübe, nur mit Mühe ist der Blackwater-Stausee zu erkennen. Und die Lust für eine längere Rast nehmen uns Wind und Regen.

Schnell machen wir uns auf den Abstieg nach Kinlochleven, das auf Meereshöhe am Ende von Loch Leven liegt. Der Weg bietet keine Schwierigkeiten, ist aber teilweise recht steil. Wir wandern zunächst wieder auf einer alten Militärstraße abwärts und treffen dann auf den Versorgungsweg zum Damm des Blackwater-Reservoirs.
Vom Stausee führt ein Kanal das Wasser bis zu dieser Stelle. Ab hier fließt es in sechs großen Pipelines über eine Strecke von einem Kilometer 250 m tiefer nach Kinlochleven. Der Damm wurde eigens zur Energiegewinnung für die damalige Aluminiumhütte errichtet.
Auf dem weiteren Weg abwärts, der durch schöne Birkenwälder führt, können wir immer wieder einen Blick auf die riesigen Stahlrohre der Pipeline werfen. Schließlich erreichen wir Kinlochleven an den gewaltigen Gebäuden der ehemaligen Aluminiumfabrik.

Kinlochleven ist ein kleiner Ort mit knapp 900 Einwohnern am östlichen Ende vom Loch Leven. Der Ort liegt zwischen den das Glen Coe umgebenden Bergen im Süden und den Mamores im Norden. Kinlochleven wird dominiert durch das Gebäude eines ehemaligen Aluminiumwerkes. Im Jahr 2000 wurde die Produktion eingestellt, das Werk zum großen Teil abgebaut und in einen Business Park umgebaut. In der großen Maschinenhalle, die stehen gelassen wurde, befindet sich mit dem Ice Factor eine Eis- und Felskletterhalle. Die Eiswand ist die größte ihrer Art weltweit. In Kinlochleven kann zum ersten Mal wieder eingekauft werden, daneben befinden sich im Ort einige Hotels und Herbergen, die zumeist von den Wanderern des West Highland Ways benutzt werden.

West Highland Way – Die Bilder der Etappe.

West Highland Way – Die Panoramabilder der Etappe.

Dieter Moßbrucker

Dieter ist Vater und Opa, Wanderer und Trekker, Computer- und WordPress-Fan – und versucht, alles unter einen Hut zu bekommen. Seit vielen Jahren lieben wir das Wandern, Kanu- oder Fahrradfahren: am Bodensee, in Skandinavien, in den Alpen oder entlang verschiedener Flüsse.
Seit Herbst 2015 gibt es diese Seite mit vielen neuen Berichten über Trekkingtouren und Wanderungen. Die früheren Berichte ab 1993 findet ihr auf der alten wildnis-wandern Seite.
Dieter Moßbrucker

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Über Dieter Moßbrucker

Dieter ist Vater und Opa, Wanderer und Trekker, Computer- und WordPress-Fan – und versucht, alles unter einen Hut zu bekommen. Seit vielen Jahren lieben wir das Wandern, Kanu- oder Fahrradfahren: am Bodensee, in Skandinavien, in den Alpen oder entlang verschiedener Flüsse. Seit Herbst 2015 gibt es diese Seite mit vielen neuen Berichten über Trekkingtouren und Wanderungen. Die früheren Berichte ab 1993 findet ihr auf der alten wildnis-wandern Seite.

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