West Highland Way – Etappe 11

Etappe 11 auf dem schottischen West Highland Way: von Kinlochleven nach Glen Nevis

Die 11. und letzte lange Etappe führt uns auf dem West Highland Way von Kinlochleven in das Glen Nevis, an den Fuß von Großbritanniens höchstem Berg, dem 1.344 Meter hohen Ben Nevis, ein paar Meilen vor Fort William. Der Einstieg in den Wandertag ist heftig: vom Ort auf Meereshöhe geht es gut 200 Höhenmeter steil bergauf. Dann ist dieser anstrengende Abschnitt gemeistert und wir werden mit einem schönen Blick über die Stadt am Loch Leven belohnt. Danach geht es auf einer ehemaligen Militärstraße gemächlicher weiter: durch ein schottisch-karges Hochtal wandern wir gemütlich weitere 100 Höhenmeter aufwärts bis zu einem Pass. Hier beginnt nochmals ein atemberaubender Abschnitt, der Pfad schlängelt sich wunderbar über die karge Hochfläche. Langsam geht es wieder abwärts, vorbei an der Ruine einer verlassenen Farm, bis zum Lochan Lunn Da Bhra. Der Weg führt nun durch ein Gebiet, das durch umfangreiche Rodungsarbeiten arg in Mitleidenschaft gezogen wurde. Nach einer letzten Passüberquerung stoßen wir schließlich ins Glen Nevis vor. Gemächlich geht es abwärts, bei schönem Wetter ist der Ben Nevis zu sehen.

West Highland Way – Die Eckdaten der Etappe.

Tour-Datum19. Juni 2019
RegionSchottland
AusgangspunktKinlochleven
EndpunktJH Glen Nevis
Anforderungenein steiler Anstieg von Kinlochleven führt in das versteckte Tal von Lairig Mor
dann auf alter Militärstraße bis zum Lochan Lunn Da Bhra
durch zum Teil abgeholzte Wälder ohne Schwierigkeiten hinab ins Glen Nevis
Distanz21,5 km
Gehzeit6 – 7 Stunden
Höhenunterschied600 m auf- und abwärts
EinkehrKinlochleven, JH Glen Nevis
Bemerkungen
GPX-Datei
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WHW11: Kinlochleven-GlenNevis

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West Highland Way – Die Beschreibung der Etappe.

Heute liegt das längste Teilstück des West Highland Way vor uns: 22 Kilometer von Kinlochleven an den Fuß von Ben Nevis, den höchsten Berg Großbritanniens. Da unser Ziel, die Jugendherberge Glen Nevis, fünf Kilometer vor Fort William liegt, gehen wir zunächst in den kleinen Laden von Kinlochleven, um ein wenig Proviant für die nächsten beiden Tage zu kaufen. Leider ist das Wetter eher wanderunfreundlich: trüb, nass, schwül-warm. Aber egal, wir müssen los.

Zunächst gehen wir auf der Straßenbrücke über den Loch Leven, dann zweigt der Wanderpfad nach rechts in den Wald ab. In etlichen Serpentinen folgen wir einem steilen Aufstieg. Schnell kommen wir ins Schwitzen, dazu regnet es leicht. Anorak an oder aus ist die Frage, aber eigentlich ist es egal, wir sind von innen und von aussen nass. Irgendwann lichtet sich dann doch der Wald und wir verschnaufen auf einem Felsvorsprung, 200 Meter über Kinlochleven. Von hier haben wir noch einmal einen herrlichen Ausblick auf den Loch Leven, den Ort Kinlochleven und etwas weiter oben erkennen wir unseren gestrigen Weg hinunter vom Pass der Devil´s Staircase. Hier treffen wir auch einige unserer Mitwanderer wieder, die uns auf einigen Etappen immer wieder begegnet sind. Sie schnappen genau so nach Luft wie wir. Ein letzte Stück bergauf, und wir stehen wieder auf einer ehemaligen Militärstraße.

Sobald die Militärstraße erreicht ist, wird das Wandern viel einfacher, ausserdem ist es wieder trocken. Und mit jedem Schritt wird das Wetter besser, wird es sonniger. Der Weg umgeht die Gebirgsgruppe der Mamores westlich in weitem Bogen durch das Tal des Allt Nathrach. Langsam wandern wir an der rechten Talflanke entlang aufwärts auf einen schon von weitem erkennbaren Pass zu. Oben am Pass erwartet uns ein wunderbares Panorama: zurück überblicken wir das lange Tal des Allt Nathrach, voraus ebenfalls das lange Lairig Mor, umgeben sind wir von den grünen Bergen der Mamores und vom Beinn na Caillich.

Kurz nach dem Pass sehen wir dann das Bild, welches in fast allen Berichten über den West Highland Way gezeigt wird: die Ruine der Farm Tigh na Sleubhaich. Natürlich gibt es dieses Bild auch von uns (zum Vergrößern anklicken):

Dieses Bild von Tigh na Sleubhaich gibt es allerdings so nur von uns! (Zum Vergrößern anklicken.)

Von hier aus können wir einen großen Teil des weiteren Weges als schmales graues Band durch das Tal verfolgen, ein herrliches und abgelegenes Hügelland entlang der Südflanke der westlichen Mamores. Die Militärstraße führt steinig an der verfallenen Farm vorbei, wenig später noch an den wenigen Überresten der ehemaligen Farm Lairigmor. Schließlich umrunden wir die südlichen Flanken von Meall a’Chaorainn und Mullach nan Coirean und wenden uns am Allt na Lairige Moire entlang nach Norden.

In den letzten zehn Jahren wurden in dieser Gegend großflächig Bäume gefällt, der Wald von früher existiert nur noch als stumpfe und unordentliche Erinnerung an die Bäume, die hier einst standen. Der Weg führt durch diese Einöde und bietet einen traurigen, trostlosen Anblick. Links im Tal sehen wir den kleinen See Lochan Lùnn Dà-Bhrà. In der Antike soll Macbeth, König der Schotten von 1040 bis 1057, auf einer Insel im Lochan gelebt haben. Wie viele Seen in ganz Großbritannien soll Lochan Lùnn Dà-Bhrà von einem Monster bewohnt sein – einer mythischen Kreatur, die den Lochan verlässt, um Weidevieh in die Tiefe zu zerren. Nur an den Ufern des kleinen Sees gibt es noch etwas Wald.

Das Gelände steigt nun wieder etwas an und über der nächsten Bergkuppe taucht plötzlich der Gipfel des Ben Nevis. Teils verhüllt er sich in den Wolken, aber dann ist der Gipfel doch wieder gut zu sehen. Sehr gut können wir den Pfad erkennen, der zunächst auf den vorgelagerten Sattel und dann auf den Gipfel führt. Falls das Wetter stimmt, wagen wir vielleicht am nächsten Tag den Versuch, diesen Berg zu besteigen, den höchsten Berg Großbritanniens. 1.344 Meter, das ist bei uns in den Alpen nicht ein wirklich hoher Gipfel, aber hier müssen wir von Meereshöhe los gehen.

Auf unserem Weg abwärts in das Glen Nevis kommen wir noch an einem eizeitlichen Fort vorbei, dem Dun Deardail. Von der Anlage ist nicht mehr zu sehen als ein mit Gras bewachsener Wall. Der Wanderweg führt uns nun auf einer Forstraße über einen kleinen Pass. Unter uns liegt das Glen Nevis und vor uns ragt der das Massiv von Ben Nevis empor. Auf der Forststraße wandern wir noch recht lange abwärts, bis wir endlich am Ziel der heutigen Etappe ankommen.

Die schöne, erst vor kurzem renovierte Jugendherberge im norwegischen Stil liegt im Glen Nevis, direkt am Ufer des River Nevis und an einem der Startpunkte zum Aufstieg auf den Ben Nevis.

West Highland Way – Die Bilder der Etappe.

West Highland Way – Die Panoramabilder der Etappe.

Dieter Moßbrucker

Dieter ist Vater und Opa, Wanderer und Trekker, Computer- und WordPress-Fan – und versucht, alles unter einen Hut zu bekommen. Seit vielen Jahren lieben wir das Wandern, Kanu- oder Fahrradfahren: am Bodensee, in Skandinavien, in den Alpen oder entlang verschiedener Flüsse.
Seit Herbst 2015 gibt es diese Seite mit vielen neuen Berichten über Trekkingtouren und Wanderungen. Die früheren Berichte ab 1993 findet ihr auf der alten wildnis-wandern Seite.
Dieter Moßbrucker

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Über Dieter Moßbrucker

Dieter ist Vater und Opa, Wanderer und Trekker, Computer- und WordPress-Fan – und versucht, alles unter einen Hut zu bekommen. Seit vielen Jahren lieben wir das Wandern, Kanu- oder Fahrradfahren: am Bodensee, in Skandinavien, in den Alpen oder entlang verschiedener Flüsse. Seit Herbst 2015 gibt es diese Seite mit vielen neuen Berichten über Trekkingtouren und Wanderungen. Die früheren Berichte ab 1993 findet ihr auf der alten wildnis-wandern Seite.

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