Annapurna-Runde – Teil 3

Tilicho-Lake-Trek: Von Braga/Manang zum Tilicho Lake und zurück zur Annapurna-Runde

Annapurna-Runde

Ein erster Höhepunkt unserer Annapurna-Runde ist sicherlich der Trek zum Tilicho Lake. Die (Anfang April noch zugefrorene) Wasserfläche stellt mit einer Höhe von fast 5.000 Metern einen der höchstgelegenen Seen unserer Erde dar. Im Südwesten des Sees liegt die Grande Barriere mit dem Tilicho Peak (7.134 m) als höchstem Gipfel, den Nilgiris im Wester und dem Roc Noir im Osten.
Der Weg von Manang durch das Khangsar-Tal ist anspruchsvoll, vor allem die zweite Etappe zwischen Shri Karka und Tilicho-Base-Camp. Hier müssen wir auf einem schmalen, abrutschgefährdeten Pfad einen steilen Steinschlag- und Erdrutschbereich queren.

Übersichtskarte des Tilicho-Lake-Treks

(c) Rother – Annapurna Treks

Etappe 6: Von Braga/Manang nach Shri Kharka

Datum 1. April 2018
Strecke Braga (3.470 m) – Manang (3.540 m) – Khangsar (3.745 m) – Shri Kharka (4.069 m)
Distanz 10,5 km
Schwierigkeit leichte Wanderung

Vor uns liegt ein eher kürzerer, dafür um so gemütlicherer Wandertag. Von Braga schlendern wir auf der breiten  Piste nach Manang und verlassen der Ort wieder durch den alten, ursprünglichen Ortskern. Bald zweigt vom Hauptweg der Tilicho-Lake-Trek ab. Nun geht es im Auf und Ab den Hang entlang zu einer Hängebrücke über den Khone Khola. Nach einem kurzen Anstieg sehen wir schon die Häuser von Khangsar, auf einem breiten Weg erreichen wir das Gurung-Dorf. Der Weg führt weiter und stetig ansteigend am Hang entlang nach Shri Kharka bzw. zum neuen Hotel Tilicho Peak..

Etappe 7: Von Shri Kharka zum Tilicho-Base-Camp

Datum 2. April 2018
Strecke Shri Kharka (4.069 m) – Landslide Area (4.240 m) – Tilicho-Base-Camp (4.150 m)
Distanz 6 km
Schwierigkeit schwierige Wanderung
Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich

Heute ist es ein schöner und spannender Tag. Schön: die Sonne strahlt von einem wolkenlosen blauen Himmel. Spannend: wir müssen einen steinschlaggefährdeten steilen Hang  auf einem sehr schmalen steinig-rutschigen Pfad queren.
Von der Lodge aus wandern wir zunächst auf schmalem Pfad am Hang entlang. Nach Queren einer Hängebrücke erfolgt ein kurzer, aber knackiger Steilanstieg. Wir erreichen danach eine kleine Scharte und gehen von hier eben weiter am Hang entlang. Dann erreichen wir einen Abzweig, wo sich der Weg in einen »Upper Trail« und einen »Lower Trail« gabelt. Auch ein ACAP-Schild weist uns darauf hin.
Der untere Weg ist von hier komplett einsehbar. Er verläuft durch einen gewaltigen steilen Erdrutschbereich, tief unten rauscht der Marsyangdi. Auf den ersten Blick können wir uns nicht vorstellen, wie wir diesen Bereich gut und sicher passieren können.
Der obere Weg steigt rechts den Nordhang hoch und führt über einen hohen Bergrücken. Da er bis auf 4.700 m steigt, ist er sehr anstrengend. Diese Höhenmeter müssen danach wieder abgestiegen werden. Der Abstieg verläuft in vielen steilen Serpentinen im losen Feingeröll.
Für uns ist die Entscheidung einfach: das ACAP-Schild zeigt uns an, dass der obere Weg “No Trail” ist, also gesperrt ist.
Mit einer gewissen Anspannung machen wir uns also auf den Weg durch das steile Geröllfeld, mit großem Abstand voneinander. Das Laufen ist weniger anstrengend, wenn der Pfad die Höhe hält oder aufwärts zieht. Sehr unangenehm wird es jedoch, wenn es abwärts geht: immer wieder rutscht ein Schuh auf dem feinen Split nach unten. Hier ist höchste Konzentration angesagt. Trotz allem: es ist ein Erlebnis, das unvergessen bleibt, auch wegen den bizarren Felsformationen, die aus dem Gerölllfeld ragen oder uns umgeben. Es ist wunderschön, vollkommen surreal.
Dann ist es geschafft. In der Ferne erblicken wir das Tilicho-Base-Camp mit seinem blauen Dach, darüber die Grand Barriere als unüberwindbar erscheinende Wand. Und irgendwo dahinten versteck sich der Tilichosee, zu dem wir morgen wollen.

Etappe 8: Zum Tilicho Lake und zurück zum Tilicho-Base-Camp

Datum 3. April 2018
Strecke Tilicho-Base-Camp (4.150 m) – Tilicho Lake (4.990 m) – Tilicho-Base-Camp (4.150 m)
Distanz 11 km
Schwierigkeit mittelschwere Wanderung

Der Tag beginnt trüb und kalt. Dennoch freuen wir uns auf einen weiteren Höhepunkt unserer Trekkingtour: unser Ziel ist eine kleine Steinhütte auf knapp 5.000 m Höhe am Ufer des Tilicho Lake.
Der Pfad ist gut erkennbar und, auch wenn er durch ein Geröllfeld hoch zieht, ohne große Schwierigkeiten. Langsam setzen wir einen Fuß vor Fuß, die Höhe macht sich bemerkbar. Dann folgt ein schier endloser Serpentinenanstieg, der alles fordert, Kraft und Psyche.
Hinter dem kurvigen Anstieg geht es flacher um den Berg herum, und wir erreichen den ersten Schnee. Bei jedem Schritt sinken wir mehr oder weniger tief ein, jeder Schritt ist mühsam. Ein kalter Wind tobt. Nur ein Gedanke treibt uns vorwärts: Der Tilicho Lake ist nicht mehr weit!
Dann taucht der große und unter einer Schneedecke begrabene Tilicho Lake endlich vor uns, und die Wolken reissen auf. Gierig saugen wir diese wundervolle Umgebung in uns auf: das Weiß um uns herum, die Wolken über den Gebirgsgipfeln, die Stille, die sich ausbreitet, wenn der eisige Wind sich kurz legt. Es ist wunderschön. Im Windschatten einer im Schnee halb vergrabenen Hütte genießen wir den Blick über die Weite des Sees und die umliegenden Berge, während sich auf der linken Seeseite eine Lawine löst. Naturgewalt pur.
Hier oben könnten wir ewig verweilen – doch der kalte Wind treibt uns dann doch wieder auf den Weg zurück. Noch einmal müssen wir durch den tiefen Schnee stapfen, dann geht es abwärts. Unten angekommen genießen wir für den Rest des Tages die Annehmlichkeiten der Lodge.

Etappe 9: Vom Tilicho-Base-Camp nach Yak Kharka

Datum 4. April 2018
Strecke Tilicho-Base-Camp (4.150 m) – Landslide Area (4.240 m) – Shri Kharka (4.069 m) – Upper Khangsar (4.200 m) – Sattel (4.240 m) – Brücke über Thorung Khola (3.840 m) – Yak Kharka (4.010 m)
Distanz 16 km
Schwierigkeit schwere Wanderung bis Shri Kharka, dann eher leicht

Der heutige Tag wird lang werden: zurück auf bekanntem Weg durch die Landslide Area nach Shri Kharka, dann aufwärts über Upper Khangsar auf einen Sattel, wieder abwärts zur Brücke über den Thorung Khola und schlussendlich wieder aufwärts zum Ziel in Yak Kharka. Gut 16 km Wegstrecke, 400 Höhenmeter abwärts und 200 Höhenmeter aufwärts, das Ziel auf gut 4.000 m.
Zunächst müssen wir auf bekanntem Weg wieder durch die Landslide Area. Das Wetter ist super schön, strahlend blauer Himmel, um uns herum weiße Eisriesen. Und so gelingt der Weg mit sehr viel weniger Herzklopfen. In Shri Kharka gibt es dann zur Belohnung eine längere Pause mit verfrühtem Mittagessen.
Gut gestärkt nehmen wir nun den Weg in Richtung Upper Khangsar. Unser Weg steigt leicht an, ist gut und bequem gehbar. Der Blick zurück auf die vergletscherten Gipfel ist gigantisch. Oberhalb von Upper Khangsar geht es weiter in Richtung Osten. Wir steigen weiter leicht bergauf, bis wir einen Sattel erreichen. Von hier genießen wir den tollen Blick in das weite Marsyangdi Tal. Wir steigen vom Sattel bergab und erreichen eine Brücke, die uns über den Thorung Khola bringt.
Der letzte Teil des Weges ist zwar leicht, aber wird sind müde, und so wird er mühsam. Auf dem breiten Hauptweg, der von Manang her kommt, steigen wir auf nach Yak Kharka.

Die Teile des Annapurna-Berichts

Dieter Moßbrucker

Dieter Moßbrucker

Dieter ist Vater und Opa, Wanderer und Trekker, Computer- und WordPress-Fan – und versucht, alles unter einen Hut zu bekommen. Seit vielen Jahren lieben wir das Wandern, Kanu- oder Fahrradfahren: am Bodensee, in Skandinavien, in den Alpen oder entlang verschiedener Flüsse.
Seit Herbst 2015 gibt es diese Seite mit vielen neuen Berichten über Trekkingtouren und Wanderungen. Die früheren Berichte ab 1993 findet ihr auf der alten wildnis-wandern Seite.
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Über Dieter Moßbrucker

Dieter ist Vater und Opa, Wanderer und Trekker, Computer- und WordPress-Fan – und versucht, alles unter einen Hut zu bekommen. Seit vielen Jahren lieben wir das Wandern, Kanu- oder Fahrradfahren: am Bodensee, in Skandinavien, in den Alpen oder entlang verschiedener Flüsse. Seit Herbst 2015 gibt es diese Seite mit vielen neuen Berichten über Trekkingtouren und Wanderungen. Die früheren Berichte ab 1993 findet ihr auf der alten wildnis-wandern Seite.

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