Annapurna-Runde – Teil 4

Annapurna Runde: Von Yak Kharka über den Thorong La (5.416 m) nach Muktinath

Menschenleere, absolute Stille, steinige und schneebedeckte Wege, atemberaubende Aussicht – das verspricht die Etappe über den 5.416 m hohen Thorong La. Nun, menschenleer war es nicht. Aber atemberaubend.
Der Thorong La stellt die relativ leichteste Verbindung zwischen den beiden Haupttälern des Annapurnagebietes dar, aber unterschätzt werden darf er nicht. Jedes Jahr sterben an diesem Pass sowohl Trekker als auch nepalesische Träger, hauptsächlich an der akuten Höhenkrankheit, die fast ausschließlich aus schlechter Akklimatisierung resultiert. Je nach vorangegangener Witterungslage kann der Pass nahezu schneefrei und einfach zu überqueren sein. Zu allen Zeiten muss man sich jedoch verstärkt auf Widrigkeiten wie Nebel, tiefem Schnee und großer Kälte einstellen.
Wir sind optimistisch und gespannt auf die Königsetappe unserer Annapurna-Trekking-Tour.

Übersichtskarte unserer Annapurna-Runde

Annapurna-Runde
Legende: blau – Trekking | gelb – Bus | grün – Bus/Flugzeug

Etappe 10: Von Yak Kharka nach Thorong Phedi

Datum 6. April 2018
Strecke Yak Kharka (4.020 m) – Ledar (4.200 m) – Thorong Phedi (4.520 m)
Distanz 7,0 km
Schwierigkeit technisch einfache Wanderung
auf Grund der Höhe anstrengend

Die heutige Etappe ist sehr kurz – und deshalb lassen wir uns wirklich viel Zeit.
Der Weg führt zunächst über Almgelände und wir können immer wieder Yak-Herden beobachten, die sich von den spärlichen Gräsern und Büschen ernähren. Bei Ledar erblicken wir das Chulu-Massiv.
Oberhalb des Kone Khola quert nun der Weg einen langen steinigen Hang. Dann müssen wir auf einer großen Hängebrücke über den Fluss. Das letzte Stück bis Thorong Phedi quert dann noch einmal einen gerölligen Hang.
Schließlich erreichen wir Thorung Phedi, einen Komplex aus zwei großen Lodges. Viele Trekker übernachten hier. Es ist kalt, der Himmel trübt sich ein. Dann fängt es an zu schneien, erst sind es nur einige wenige harmlose Schneeflocken, bald ist jedoch alles weiß.
Wir sind jetzt ganz schön aufgeregt, denn der große Tag steht morgen bevor: die Pass-Überquerung. Und viel Schnee bedeutet glatte und vor allem schwierig auffindbare Wege … vielleicht ist der Pass gar nicht passierbar.

Etappe 11: Von Thorong Phedi über den Thorong La nach Muktinath

Datum 7. April 2018
Strecke Thorong Phedi (4.520 m) – Thorong High Camp (4.890 m) – Thorong La (5.416 m) – Chabarbu (4.240 m) – Muktinath (3.760 m)
Distanz 14,5 km
Schwierigkeit lange und sehr anstrengende Wanderung
an keiner Stelle technisch anspruchsvoll
bei Nebel oder Schneefall kann es zu erheblichen Orientierungsschwierigkeiten kommen
zeitiger Aufbruch (4:00 Uhr) empfiehlt sich
Stirnlampe ist sinnvoll

Ganz früh am Morgen klingelt der Wecker. Der Schneefall hat in der Nacht aufgehört, es liegt nur wenig Neuschnee, wir können es also wagen. Ein anstrengender, steiler und vor allem langer Tag liegt vor uns. Die Wanderzeit beträgt über 10 Stunden, es geht rund 900 Höhenmeter hoch und danach 1.700 Meter wieder runter.
In langer Schlange steigen wir zahlreiche Serpentinen hoch, nur die Stirnlampen geben Licht. In Schneckentempor erreichen wir das High Camp, die ersten 300 Höhenmeter sind geschafft. Und wie zur Belohnung wird es hell, die Sonne bricht sich durch die Wolken, eine fast mystische Stimmung umgibt uns. Pferde stehen bei der Lodge, man kann sich damit hochtragen lassen, aber dafür ist es eigentlich viel zu kalt.
Den steilsten Anstieg haben wir hier gemeistert, aber ab hier liegt eine geschlossene, teilweise tiefe Schneedecke. Metallstangen stehen in größeren Abständen und markieren den Weg. Doch durch die vielen Trekker ist eh eine deutliche Spur gelegt. Dieser Spur folgen wir, immer einen Fuß vor den anderen, mechanisch. Irgendwie ist nur grenzenloses Weiß um uns, nur vor uns sind vereinzelte schwarze Punkte zu erkennen, die sich so wie wir langsam nach oben bewegen. Bei jeder Kuppe wird die Hoffnung größer, dass nach dieser der Pass erscheint. Aber der Weg zieht sich und nach einer Kuppe folgt die nächste Kuppe.
Dann ist der Pass zu sehen. Wir erkennen die zahlreichen Gebetsfahnen, die im Wind flattern und den magischen Ort schmücken. Oben angekommen ist das Gefühl schlichtweg unbeschreiblich, alle Anstrengung ist vergessen. Wir haben es geschafft!
Der eisigkalte Wind lässt keine längere Rast zu, zu ein paar Bildern mit dem Schild am Pass reicht es dennoch.
Nach dem Aufstieg erwartet uns ein langer und anstrengender Abstieg. Im Schnee ist eine deutliche Spur sichtbar, der wir gut folgen können. Dann erreichen wir die Schneegrenze, der Weg ist im Geröll kaum sichtbar. Auch hier stehen die Metallstangen, die die Orientierung geben.
Immer weiter geht es herunter. Dann erreichen wir die ersten Restaurants in Chabarbu. Hier gibt es eine richtig lange Pause und Stärkung.
Schließlich gelangen wir nach Muktinath, zunächst zum Tempelkomplex mit den Wasserbecken und den 108 Wasserspeiern. Und schließlich in den Ort selbst. Der Ort ist staubig, ernüchternd, wir sind zurück in der Zivilisation.

Die Teile des Annapurna-Berichts

Dieter Moßbrucker

Dieter ist Vater und Opa, Wanderer und Trekker, Computer- und WordPress-Fan – und versucht, alles unter einen Hut zu bekommen. Seit vielen Jahren lieben wir das Wandern, Kanu- oder Fahrradfahren: am Bodensee, in Skandinavien, in den Alpen oder entlang verschiedener Flüsse.
Seit Herbst 2015 gibt es diese Seite mit vielen neuen Berichten über Trekkingtouren und Wanderungen. Die früheren Berichte ab 1993 findet ihr auf der alten wildnis-wandern Seite.
Dieter Moßbrucker

Über Dieter Moßbrucker

Dieter ist Vater und Opa, Wanderer und Trekker, Computer- und WordPress-Fan – und versucht, alles unter einen Hut zu bekommen. Seit vielen Jahren lieben wir das Wandern, Kanu- oder Fahrradfahren: am Bodensee, in Skandinavien, in den Alpen oder entlang verschiedener Flüsse. Seit Herbst 2015 gibt es diese Seite mit vielen neuen Berichten über Trekkingtouren und Wanderungen. Die früheren Berichte ab 1993 findet ihr auf der alten wildnis-wandern Seite.

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