Vildmarksvägen – Wildnisstraße

Schweden: Ein 360-Kilometer-Road-Trip mit dem DIPA-Falken auf dem Vildmarksvägen in echte Wildnis und zu unberührter Bergwelt.

Im nördlichen Jämtland und südlichen Lappland verläuft eine 360 Kilometer lange Straße durch Schwedens Wildnis: der Vildmarksvägen. Sie beginnt und endet an der Europastraße E 45, dem Inlandsvägen: von Strömsund über das karge, 876 Meter hohe Fjällplateau Stekenjokk bis nach Vilhelmina. Die Wildnisstraße ist die höchstgelegene asphaltierte Straße Schwedens. Ihre höchsten Abschnitte über Stekenjokk sind aufgrund der enormen Schneemengen, die nicht selten bis zu 6 m betragen, nur von Anfang Juni bis Mitte Oktober befahrbar. Vildmarksvägen – ein außergewöhnlicher Roadtrip, der zum Highlight wird.

Über den Vildmarksvägen

Die Straße verläuft zunächst entlang des Gewässers Ströms Vattudal von Strömsund nach Gäddede, danach via Jormvattnet und Stora Blåsjön oberhalb der Waldgrenze über das Gebirge und über Stekenjokk nach Klimpfjäll. Danach führt die Straße am Ufer des Kultsjön vorbei und weiter über Stalon zum nächsten großen See, Malgomaj. Vorbei an seinem südlichen Ufer endet der Vildmarksvägen schließlich in Vilhelmina.

Die Straße durch das Gebirge oberhalb der Waldgrenze wurde in den 1970er-Jahren für den Verkehr von und zum Kupferbergwerk in Stekenjokk angelegt. Zum Abtransport des Erzes wurde die Straße asphaltiert und ausgebaut. 1989 wurde dann das Bergwerk stillgelegt. Heute ist die Straße vor allem eine touristische Straße, z.B. in das Wander- und Skigebiet Klimpfjäll. Die Straße zum Stekenjokk ist nur von Ende Mai bis Mitte Oktober geöffnet und es muss jederzeit mit Schnee gerechnet werden. Es gibt hier sehr viele seltene Vogelarten wie die Schneeeule und den Königsadler. Daher ist während der Brutzeit auch oft ein großer Teil der Hochebene für Wanderer gesperrt.

Die Fahrt von Strömsund über Gäddede und Stekenjokk nach Vilhelmina ist ungefähr 360 km lang. Manchmal liest man jedoch, der Vildmarksvägen sei 500 km lang. Das ist dann korrekt, wenn man den Abschnitt auf der E45 zwischen Vilhelmina und Strömsund hinzuzählt.

Eigentlich ist es egal, wie herum man den Vildmarksvägen fahrt, ob man im Süden bei Strömsund beginnt oder im Norden bei Vilhelmina – wir starten in Vilhelmina und fahren den Vildmarksvägen im Gegenuhrzeigersinn.

Die Eckdaten unserer Vildmarksvägen-Tour

Tour-Datum 14. August 2021
Region Schweden, Jämtland, Västerbotten
Ausgangspunkt Vilhelmina
Endpunkt Strömsund
Distanz 360 km

Auf dem Vildmarksvägen

Am Vojmån

Dort, wo die E 45 den rauschende Vojmån überquert, ca. 20 Kilometer nordöstlich von Vilhelmina, liegt am Flussufer ein Rastplatz und ein Campingplatz. Der Vojmån hat seinen Ursprung an der norwegischen Grenze und mündet schließlich bei Vilhelmina in den vom Ångermanälven durchflossenen Volgsjön.
Vom Campingplatz am Vojmån aus starten wir nach einer ruhigen Nacht zu unserem Vildmarksvägen-Abenteuer.

Entlang des Ångermanälven – Gaskeliteforsen

Es ist schon recht spannend, als wir von Vilhelmina nach Westen abbiegen und auf den ersten Metern des Vildmarksvägen unterwegs sind. Zwar meint es das Wetter zunächst nicht gut mit uns, aber das stört wenig: die Umgebung ist noch gleichmäßig besiedelt, ein richtiges Wildnis-Feeling will noch nicht aufkommen. Doch recht schnell ändert sich die Landschaft. Wir fahren am schmalen, langgestreckten Malgomaj entlang, der vom Ångermanälven durchströmt wird.

Der Malgomaj ist rund 40 Kilometer lang, bis zu 3 Kilometer breit und hat eine größte Tiefe von 107 Metern.
Der Ångermanälven ist mit 460 Kilometer Länge der drittgrößte und wasserreichste Fluss Schwedens. Sein Hauptquellfluss, der Ransarån, entspringt im Børgefjell-Nationalpark jenseits der norwegischen Grenze. Der Ångermanälven durchströmt in südöstlicher Richtung, durch zahlreiche Nebenflüsse verstärkt, Västerbotten, das nördliche Jämtland und Ångermanland und mündet bei Härnösand in die Ostsee.

Nach dem Malgomaj bleiben wir im engen Tal und fahren neben dem Ångermanälven weiter flussaufwärts. Der Fluss bildet immer wieder kleinere Seen, er rauscht immer wieder über kleinere und größere Stromschnellen.

Eine besonders schöne Stromschnelle ist Gaskeliteforsen direkt neben der Straße. Hier gibt es eine Brücke über den Fluss, von der aus gefischt wird.

Schwedens schönste Stromschnellen – Trappstegsforsen (Treppenwasserfall)

Kurz vor der Brücke über den Kultsjöan (bzw. Ångermanälven), knapp 6 Kilometer vor Saxnäs, kommen wir zu einem großen und recht vollen Parkplatz direkt neben der Straße. Hier stürzt das vom Kultsjön kommende Wasser in beeindruckenden Kaskaden in die Tiefe. Die eigenwillige Formation des Gesteins, das hier über eine Länge von hundert Metern und in einer Breite von über 20 Metern wie Treppenstufen übereinander liegt, hat dem Wasserfall seinen Namen gegeben: Trappstegsforsen – Treppenwasserfall. Er zählt zu den schönsten Stromschnellen Schwedens.

Trappstegsforsen.
Bitte auf das Bild klicken, um das Video zu starten – danke.

Am Kultsjön entlang von Saxnäs nach Klimpfjäll

Nun fahren wir am zweiten großen See entlang, am rund 30 Kilometer langen und nur 3 Kilometer breiten Kultsjön. Der See erstreckt sich von Saxnäs (bzw. einige Kilometer davor) bis zu einer Engstelle, die der Vildmaksvägen auf einer Brücke überquert. Hier mündet in eine Bucht der vom See Ransarn kommende Ångermanälven ein.

Entlang des Kultsjön liegen viele Rastplätze mit Tischen und Bänken und mit einer tollen Aussicht in das Marsfjäll.

Das Ende des Kultsjön erreichen wir bei Klimpfjäll, wo der von Stekenjokk kommende Saxån mündet und wo es ins Gebirge hochgeht. Klimpfjäll ist gut 20 Kilometer von der norwegischen Grenze entfernt und von allen Seiten von Gebirgsmassiven umgeben: dem bis zu 1.406 m hohen Fjällfjället im Norden, dem 1.470 m hohen Norra Borgafjällen im Südosten und dem 1.590 m hohen Marsfjällen im Osten.

Über die Hochebene Stekenjokk

So langsam gewinnen wir nun an Höhenmeter, bisher war die Straße eher flach und führte am Ångermanälven und an Seen entlang. Mit jedem Höhenmeter wird die Landschaft karger und rauer, die Vegetation verändert sich mehr und mehr, die Fjällbirken werden immer kleiner und knorriger.

Hier beginnt das mächtige Bergplateau Stekenjokk. Befahrbar ist es nur von Anfang Juni bis Mitte Oktober. Stekenjokk bezeichnet die Gegend um den gleichnamigen ehemaligen Grubenort. Es ist eine imposante Hochebene, durch welche der Vildmarksvägen hindurchführt. 876 m hoch liegt hier die Straße. Wir befinden uns oberhalb der Baumgrenze, im Kalfjäll, und sehen nur noch Fels, Gras, Wasser und Schnee.

Damals war Stekenjokk ein Grubenort. 7,1 Millionen Tonnen Erz wurden gewonnen, mit einem Gehalt von 90.000 Tonnen Kupfer, 170.000 Tonnen Zink und 980 kg Gold. Dauerhaft wohnte hier allerdings niemand, viele der Arbeiter kamen aus Klimpfjäll. 12 Jahre lang wurde das höchstgelegene Bergwerk Schwedens betrieben, 1989 wurde die Grube geschlossen.

Wir erleben hier oben Sturm, Regen, Gewitter und wenig später wieder Sonne.

Zurück nach Strömsund – Jätten Jorm

Von der Stekenjokk-Hochebene aus fällt die Straße wieder deutlich ab, wir finden uns schon bald wieder an unzähligen kleinen Seen wieder. Gäddede ist der einzig größere Ort vor Strömsund. Aber leider hat es wieder angefangen zu regnen, und so fahren wir ohne große Pause weiter. Auch sind die letzten Kilometer nach Strömsund relativ ähnlich zu dem, was wir schon gesehen haben, und so fahren wir zügiger als bei der Hinfahrt.

In Strömsund machen wir kurz Halt und bestaunen den Jätten Jorm. Die fünfundsechzig Tonnen schwere und sechs Meter hohe Betonstatue des Riesen Jorm, der auf seiner Nase ein Haus mit sich herum trägt, geht auf den teilweise animierten schwedischen Kinderfilm Dunderklumpen (Der zauberhafte Spielzeugdieb) zurück.

Unser Fazit

Reißende Wasserfälle, rauschende Flüsse, idyllische Seen, hohe Berge und karges Hochland – all das und noch viel mehr haben wir auf dem Vildmarksvägen erlebt und erfahren – ein beeindruckendes, faszinierendes Stück Natur.

Dieter Moßbrucker
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Über Dieter Moßbrucker

Dieter ist Ehemann, Vater und Opa, Wanderer und Trekker, Computer- und WordPress-Fan – und versucht, alles unter einen Hut zu bekommen. Seit vielen Jahren lieben wir das Wandern, Kanu- oder Fahrradfahren: am Bodensee, in Skandinavien, in den Alpen oder entlang verschiedener Flüsse. Seit Herbst 2015 gibt es diese Seite mit vielen neuen Berichten über Trekkingtouren und Wanderungen. Die früheren Berichte ab 1993 findet ihr auf der alten wildnis-wandern Seite.

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