Landwasserviadukt-Winterwanderung

Eine Winderwanderung zum Landwasserviadukt der Rhätischen Bahn bei Filisur/Graubünden.

Es ist das grösste und spektakulärste Bauwerk auf der 63 Kilometer langen Albulastrecke zwischen Thusis und St. Moritz: das Landwasserviadukt bei Filisur, Wahrzeichen der Rhätischen Bahn (RhB) und seit 2008 UNESCO-Weltkulturerbe. Die 142 Meter lange Brücke führt die Bahnlinie in einem schönen Schwung in 65 Metern Höhe über das wilde Landwassertal hinweg. Das Viadukt startet und endet im Berg je in einem Tunnel: kurz vor dem Viadukt liegt der kurze Zalainttunnel und unmittelbar danach schliesst in der senkrecht abfallenden Felswand der 216 Meter lange Landwassertunnel an. Besonders eindrucksvoll präsentiert sich das Viadukt im Frühwinter mit Neuschnee und Wintersonne.

Eine kurze Geschichte über das Landwasserviadukt

In einer grossen Kurve führt das Landwasserviadukt direkt in eine steile Felswand. Dieser atemberaubende Bau ist heute das Wahrzeichen und das meistfotografierte Objekt der Rhätischen Bahn. Auch die Entstehungsgeschichte des Viadukts ist bestaunenswert:

Der griechisch-schweizerische Ingenieur Alexander Acatos (1873-1950) wurde mit der Konstruktion des Viadukts betraut. Unter seiner Anleitung wurden die fünf Kalksteinpfeiler mit sechs halbkreisförmigen Gewölben von jeweils 20 Metern Spannweite ab März 1901 angefertigt. Für den Bau wurde aus Kostengründen eine neue Konstruktionstechnik entwickelt: Die Pfeiler wurden ohne äusseres Hilfsgerüst gebaut. In die drei längsten Pfeiler wurden stattdessen Eisengerüste eingemauert und mit jedem Baufortschritt in der Höhe angepasst. Die drei Eisengerüste wurden mit Querträgern verbunden, an denen elektrische Baukräne montiert werden konnten. Diese hoben das benötigte Baumaterial auf die entsprechenden Pfeilerhöhe.

Nach nur rund eineinhalb Jahren Bau war das Landwasserviadukt im Oktober 1902 fertig gebaut und die ersten Züge konnten über die Brücke rollen.

Die Bausubstanz des Viadukts erwies sich als widerstandsfähig: erst nach 106 Jahren war eine Instandsetzung erforderlich. Im Sommer 2009 wurde das Viadukt während des laufenden Betriebs saniert. Für die Dauer der Sanierung wurde das gesamte Viadukt einschliesslich aller Pfeiler mit einem roten Gerüst versehen.

Landwasserviadukt als roter Blickfang. (© Wikipedia)

Die gesamten Fugen des Mauerwerkes wurden durch Injektionen von aussen verstärkt, wobei das Mauerwerk auch nach über 100 Jahren Betriebszeit noch in tadellosem Zustand ist. Ausserdem wurden auf der Brücke ein neuer Gleisunterbau aus Beton und neue Schienen eingebaut. Der Betontrog wurde seitlich mit Granit-Mauerwerk verblendet, so dass der Beton von der Seite beim Blick auf das Viadukt nicht zu sehen ist. Trotz der aufwändigen Arbeiten, die rund 8 Monate dauerten und im Schichtbetrieb Tag und Nacht erfolgten, konnten alle Züge fahrplanmässig verkehren.

Über die Winterwanderung zum Landwasserviadukt

Drei Aussichtspunkte bzw. -plattformen laden dazu ein, das Landwasserviadukt von allen Seiten zu bestaunen und zu fotografieren. Die einzelnen Wanderungen sind schweiztypisch gut ausgeschildert, weder lang noch schwierig. Kurz vor Filisur, in einer Kurve an der Straße Tiefencastel-Filisur, liegt der Parkplatz Landwasserviadukt. Von hier aus kann man zu allen drei Aussichtspunkten wandern.

Im Winter bei Schnee ist der Parkplatz nicht wirklich geräumt und bietet daher Platz für höchstens vier Autos. Auch ist die Wanderung zur Aussichtsplattform Nord nicht möglich, darum stelle ich hier nur die beiden Aussichtspunkte Brückenpfeiler und Süd vor.

Tour-Datum 16. Dezember 2020
Region Schweiz, Graubünden, Filisur
Ausgangspunkt Filisur, Parkplatz Landwasserviadukt
Anforderungen leichte Wanderung im Schnee, Wege gespurt
Distanz Aussichtspunkt Brückenpfeiler: 1,8 km (hin und zurück)
Aussichtsplattform Süd: 3,5 km (hin und zurück)
GPX-Datei
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1 Datei(en) 15.04 KB

Die perfekten Bilder vom Landwasserviadukt werden auf der Aussichtsplattform Nord fotografiert. Hier entstehen die berühmten Bilder von oben, wie die Züge aus dem Tunnel heraus über das Landwasserviadukt und danach elegant in die Kurve fahren. Ein paar Meter Aufstieg über nasse, rutschige Wurzeln müssen wir dafür auf uns nehmen, leider kein Weg für den Winter.

Der Aussichtspunkt Brückenpfeiler ist der perfekte Ort, um die gewaltigen Dimensionen der Brücke zu begreifen. Der Weg vom Parkplatz zur Brücke verläuft entlang der Landwasser, ist kurz und ohne Steigungen, und ist auch im Winter bei Schnee gespurt. Wer im Sommer kommt, kann hier grillen, der Aussichtspunkt besitzt einen Gemeinschaftsgrill und einen Tisch mit Bänken.

Die Aussichtsplattform Süd bietet einen perfekten Blick von oben auf das Landwasserviadukt, auf das Schmittenviadukt und auf die Bahnlinie, die sich entlang des gegenüberliegenden Hangs schlängelt. Im Winter müsssen wir zunächst nach Filisur wandern, um dann von der Bahnhofstraße aus bequem auf einem gespurten breiten Weg neben den Schienen zur Aussichtsplattform zu gelangen

Für alle Wanderungen sollte man genug Zeit einplanen und den Fahrplan Tiefencastel-Filisur im Kopf oder dabei haben, denn die Züge fahren nur stündlich: kurz vor der vollen Stunde kommt der Zug von Tiefencastel über das Landwasserviadukt und verschwindet im Tunnel, kurz nach der vollen Stunde erscheint aus dem Tunnel der Gegenzug (Stand 2020). Allerdings: ab und zu kommt auch ein Güterzug.

Das Landwasserviadukt von unten: auf zum Aussichtspunkt Brückenpfeiler

Das Landwasserviadukt von oben: auf zur Aussichtsplattform Süd

Dieter Moßbrucker
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Über Dieter Moßbrucker

Dieter ist Vater und Opa, Wanderer und Trekker, Computer- und WordPress-Fan – und versucht, alles unter einen Hut zu bekommen. Seit vielen Jahren lieben wir das Wandern, Kanu- oder Fahrradfahren: am Bodensee, in Skandinavien, in den Alpen oder entlang verschiedener Flüsse. Seit Herbst 2015 gibt es diese Seite mit vielen neuen Berichten über Trekkingtouren und Wanderungen. Die früheren Berichte ab 1993 findet ihr auf der alten wildnis-wandern Seite.

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