Trekkingreise Ladakh – Teil 1

Ladakh – 11tägiges Trekking im Changthang-Gebiet

Ladakh

Vieles verbindet Ladakh mit Tibet. Doch nirgendwo ist Ladakh Tibet ähnlicher als im Osten – namentlich im Changthang. Der Changthang ist die Fortsetzung des tibetischen Hochplateaus auf ladakhischem Boden. Hier dominieren weite Hochebenen mit kargem Graswuchs, blau-türkis schimmernde Seen und besondere Tierarten, wie der Schwarzhalskranich oder das freiheitsliebende Kiang (Wildesel), die Landschaft. Während im Rest Ladakhs die Menschen von der Agrarwirtschaft leben, finden hier im Osten nur noch Nomaden ein Auskommen. Mit großen Schaf-, Ziegen- und Yakherden ziehen sie von einem Lager zum nächsten. Es sind zähe, aber liebenswürdige Menschen.

Ladakh

Wir.

Der Trek von Tso Kar (Weißer See) nach Pang am Manali-Leh-Highway ist technisch nicht schwierig, fordert körperlich jedoch aufgrund einer durchschnittlichen Gehhöhe von ca. 4.500 m. Darunter kommt man nicht. Eine gute Akklimatisierung und ein bedachtes Gehen am Trek sind daher unbedingt notwendig. Der Changthang und seine Menschen entschädigen jedoch für die Mühen. Absolute Highlights auf diesem Trek sind der tiefblaue Tso Moriri und der kaum begangene Streckenabschnitt zwischen Kiangdam und Numa Pang.

 


Über Ladakh

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Karte von Ladakh

Der nördlichste indische Bundesstaat Jammu und Kaschmir setzt sich aus den drei Provinzen Jammu, Kashmir und Ladakh zusammen. Ladakh ist die nördlichste und abgelegenste dieser Provinzen; hier leben nur etwa 300 000 Menschen auf einem Gebiet von 87.000 km². Das Land wird durch die ersten hohen Gebirgszüge des Himalaya vom Monsun geschützt; die Sommer sind warm und trocken, während die Winter sehr kalt und schneearm sind. Der Großteil des Landes ist eine Wüste; Vegetation wächst nur entlang der Flüsse (und in Hochlagen, wo es etwas Niederschlag gibt). Abgesehen vom Ballungsraum Leh mit etwa 30.000 Einwohnern gibt es meist nur kleine Siedlungen, wo durch Bewässerung etwas Landwirtschaft möglich ist.

Die Provinz Ladakh kann man geographisch in vier Zonen unterteilen: Zanskar (im Westen), Berge nördlich des Nubra Valley (im Norden), Zentral-Ladakh, Changthang (im Osten). Zanskar ist von einer rauen, schluchtartigen Topographie geprägt. Ähnlich schroff und unzugänglich (dabei aber höher) sind die Berge in dem kleinen Teil des Karakorum, der zu Indien gehört. Die Flüsse Shyok und Nubra bilden die Grenze zwischen Himalaya und Karakorum. In Zentral-Ladakh gibt es breite Täler, aber auch eindrucksvolle Schluchten. Die höheren Berge sind leichter zugänglich als in Zanskar. Es gibt einige recht einfache Gipfel, aber auch anspruchsvollere Berge. Der Osten Ladakhs ist dagegen von einer weitläufigen Hügellandschaft geprägt, dem Changthang. Der größte Teil des Changthangs liegt allerdings weiter im Osten in Tibet. Bereits die Täler liegen im Changthang auf 4.500 m Höhe, die Berge erreichen häufig 6.000 m. Die Landschaft ist eine Hochgebirgssteppe mit sehr geringem Niederschlag. Wo es Wasser gibt (Abflüsse von Gletschern), ist etwas Vegetation zu finden; Gräser und Blumen wachsen in geschützten Lagen bis 5800 m Höhe. Allgemein ist es im Changthang windiger als weiter westlich.

Da Ladakh an Gebiete grenzt, die von Pakistan und China kontrolliert werden, gibt es eine enorme Militärpräsenz, besonders im Gebiet um Leh herum. Im Straßenbild fällt das jedoch nicht sonderlich auf; man kann sich auch überall (natürlich außer direkt an den Militärbasen) frei bewegen. Für den Besuch des indischen Changthang braucht man ein Inner Line Permit. Die Randgebiete nahe der Grenzlinie zu China sind touristisch nicht zugänglich. Das indische und ladakhische Militär unterhalten dort viele Militärbasen zur Sicherung der Grenze; schätzungsweise die Hälfte des Verkehrsaufkommen auf den Straßen dort hat militärischen Hintergrund.

 


Über die Tour

Ladakh

Tourkarte

Die komplette Tour – Flug, Besuch von Klöstern im unteren und oberen Indus-Tal, 11tägiges Trekking – hatten wir über die Reiseagentur www.weltweitwandern.at gebucht. In Ladakh bzw. Leh wurden wir von der Partneragentur www.gesar-travel.com besonders kompetent betreut.

Nach dem langen Flug nach Delhi mit Ankunft um Mitternacht startete kurz vor Sonnenaufgang der kurze, grandiose Flug über den Himalaya nach Leh, dem Hauptort von Ladakh. Dort verbrachten wir vier Tage zur Akklimatisation, mit kleineren Wanderungen und zum Besuch von mehreren Klöstern im Industal. Dann verließen wir das Industal und fuhren zum Taglang La, mit 5.325 Meter (angeblich) der zweithöchste mit Kraftfahrzeugen befahrbare Pass der Welt. Eine Seitenstraße des Manali-Leh-Highways führte uns dann zum Salzsee Tso Kar auf 4.540 Meter und zum ersten Nachtlager.

Am Tso Kar startete der 11tägige Trek. Vom Salzsee wanderten wir über mehrere Pässe – der höchste war der Yalung Nyau La (5.440 m) – nach Korzok  (4.550 m) am Tso Moriri. Entlang des Ufers des tiefblauen See ging es dann an das südliche Ende Kiangdam. Von dort wanderten wir dann nord-westwärts durch das Phirtse Chhu-Tal und das Pang-Tal, wieder über einige Pässe. Das Ende der Trekkingtour war dann in Numa Pang am Manali-Leh-Highway. Von dort ging es wieder zurück nach Leh.

Unser Guide war Rigzin Tsewang (Facebook), der sich sehr um uns kümmerte und alles perfekt organisierte. Die Begleitmannschaft bestand aus Guide-Assistenten, Köchen, Horsemen und vielen Packpferden. Das ganze Team hat sich ausgezeichnet um unser Wohl bemüht, das Essen war sehr gut – kurz: der Trek war perfekt.

 


Leh – Hauptort von Ladakh

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Flug über den Himalaya

Das Abenteuer Ladakh beginnt bereits beim Fug von Delhi über die Eisriesen des Himalaya und läßt uns erahnen, welch großartige Landschaft uns in den nächsten Wochen erwartet. Der Anflug nach Leh ist dann spannend: durch eine enge Schlucht aus kahlen Bergen, die wie eine Mondlandschaft aussehen, manövriert sich der Flieger, um auf 3.500 Metern über dem Meeresspiegel zu landen.

Leh fasziniert durch das bunte Treiben am Bazaar mit seinen ladakhischen Marktfrauen, kashmirischen Händlern, nepalesischen Tagelöhnern, hinduistischen Geschäftsleuten, streunenden Hunden, frei laufenden Eseln und Kühen und hupenden Jeeps entdecken. Leh ist anders, hektisch, laut. Wer hier tibetisch-buddhistische Ruhe erwartet, wird eines Besseren belehrt. Die Stadt ist seit jeher ein Schmelztiegel der unterschiedlichsten Kulturen. Die Grenzen nach Pakistan und Tibet (China) sind zwar geschlossen und damit der Handel zum Erliegen gekommen, doch seitdem Ladakh 1974 für den Tourismus seine Pforten geöffnet hat, ist das ehemalige Königreich aus seinem Dornröschenschlaf wach geküsst worden. In den wenigen Sommermonaten wird aus der sonst ruhigen Stadt ein Zentrum für geschäftiges Treiben.

 

Leh fasziniert nicht nur durch seine Geschichte, die uns auf einem Spaziergang durch die Altstadt näher gebracht wird, sondern auch durch ein Nebenbei scheinbar unvereinbarer Dinge: Mönche auf Mopeds, Moscheen neben buddhistischen Klöstern, Internetcafés auf einem Platz mit Brunnen, wo sich auch heute noch die meisten BewohnerInnen Lehs ihr Trinkwasser nach Hause holen müssen, weil fließendes Wasser noch keine Selbstverständlichkeit ist.

In Leh ist es immer staubig. Seit Jahren wird das Zentrum umgebaut, es soll eine neue Straße zum Flanieren geben. Fraglich, ob sie jemals fertig wird, aber letztlich macht das Improvisierte ja genau den Charme dieser Stadt aus.

 

Über Leh thronen der ehemalige Königspalast und die Shanti-Stupa. Der Blick von oben auf die Stadt und das Industal ist grandios.

 


Klöster und Einsiedelei im Industal

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Likir

Im Westen von Leh, im unteren Industal, besuchen wir das schönen Kloster Likir, das sofort durch seine goldfarbene Buddha-Statue ins Auge sticht – die zweitgrößte Außenstatue Ladakhs. Doch auch innerhalb der Klostermauern befinden sich kulturell bedeutsame Gegenstände und Wandmalereien. Besonders spannend ist Likir aufgrund seines Museums im obersten Geschoß, das auch Alltagsgegenstände (wie bspw. Münzen und Kleidungsstücke aus anderen Jahrhunderten) beherbergt.

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Alchi

Das wahre Highlight des unteren Industales befindet sich in Alchi. Versteckt inmitten des kleinen Bauerndorfes befindet sich eines der wenigen Klöster, die aus dem 11. Jhdt. stammen und dabei (dank aufwändiger Restaurationen) noch in sehr gutem ursprünglichem Zustand erhalten geblieben ist. Während des 11. Jahrhundert wurden vom großen buddhistischen Lehrmeister Rinchen Zangpo 108 Klosteranlagen im heutigen Ladakh, Tibet und Himachal Pradesh errichtet. Die meisten davon wurden jedoch zerstört, durch Restaurationsbewegungen in späteren Jahrhunderten „entrichtet“ oder sind einfach den Witterungen zum Opfer gefallen und langsam zerfallen. Alchi gilt als eines der bedeutendsten Klöster, die dieses Jahrtausend überlebt haben.

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Hemis

Im Osten von Leh, im oberen Industal, besuchen wir Hemis. Hemis gilt seit Jahrhunderten als eines der reichsten Klöster Ladakhs. Zum einen weil das Kloster historisch sehr gute Kontakte mit der Königsdynastie pflegte, zum anderen da es vor Plünderungen verschont blieb. Das Kloster bietet eine fast verwirrende Vielzahl an Kapellen und Tempelräumen mit Kulturgütern unschätzbaren Werts.

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Gotsang

Einfacher aber nicht minder eindrucksvoll ist die zu Hemis zugehörige Einsiedelei Gotsang. Eine längere Wanderung mit steilem Anstieg, die gleichzeitig der Vorbereitung auf den bevorstehenden Trek dient, führt uns dorthin.

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Thikse

Die Tempelanlage Thikse, architektonisch dem Potala im tibetischen Lhasa nachempfunden, wurde im 15. Jahrhundert nicht zu übersehen hoch auf einem Hügel im oberen Industal errichtet. Seine Mönche gehören dem buddhistischen Gelugpa-(Gelbhut-)Orden an. Die Klosteranlage erstreckt sich über 12 Stufen oder Terrassen den Hügel hinauf. Zu ihr gehören unter anderem 10 Tempel. In einem davon befindet sich eine rund 15 m hohe vergoldete Buddhastatue.

 

hier geht es weiter zum Teil 2

 

Dieter Moßbrucker

Dieter Moßbrucker

Dieter ist Vater und Opa, Wanderer und Trekker, Computer- und WordPress-Fan – und versucht, alles unter einen Hut zu bekommen. Seit vielen Jahren lieben wir das Wandern, Kanu- oder Fahrradfahren: am Bodensee, in Skandinavien, in den Alpen oder entlang verschiedener Flüsse.
Seit Herbst 2015 gibt es diese Seite mit vielen neuen Berichten über Trekkingtouren und Wanderungen. Die früheren Berichte ab 1993 findet ihr auf der alten wildnis-wandern Seite.
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Über uns Dieter Moßbrucker

Dieter ist Vater und Opa, Wanderer und Trekker, Computer- und WordPress-Fan – und versucht, alles unter einen Hut zu bekommen. Seit vielen Jahren lieben wir das Wandern, Kanu- oder Fahrradfahren: am Bodensee, in Skandinavien, in den Alpen oder entlang verschiedener Flüsse. Seit Herbst 2015 gibt es diese Seite mit vielen neuen Berichten über Trekkingtouren und Wanderungen. Die früheren Berichte ab 1993 findet ihr auf der alten wildnis-wandern Seite.

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