Pikku Tankavaara

Finnland: Auf dem Wanderweg Kuukkeli im Urho-Kekkonen-Nationalpark auf den Pikku Tankavaara (429 m), vorbei an deutsch-finnischer Weltkrieg-Geschichte.

Hoch oben im Norden Finnlands befindet sich der Urho-Kekkonen-Nationalpark. Er wurde 1983 gegründet und hat seinen Namen von dem langjährigen finnischen Präsidenten Urho Kekkonen bekommen. Zweck des Parks ist es die Natur Lapplands zu schützen und regionale Traditionen wie die Rentierzucht zu bewahren. Dabei präsentiert sich der Park im typischen lappländischen Landschaftsbild, dessen Wanderwege durch idyllische Moorgebiete, urige Wälder und malerische Fjells führen. Ein wunderschöner Weg im Nationalpark Urho-Kekkonen ist der Wanderweg Kuukkeli. Er bietet vom Berg Pikku Tankavaara einen atemberaubenden Ausblick über die finnische Weite.

Tour-Datum 27. August 2021
Region Finnland, Lappland, Tankavaara
Ausgangspunkt Parkplatz beim Info-Zentrum Urho-Kekkonen-Nationalpark
Anforderungen leichte Wanderung auf gutem, vollständig markiertem Pfad
Distanz 5 km
Gehzeit 1,5 – 2,5 Stunden
Höhenunterschied 130 m auf- bzw. abwärts
Einkehr Tankavaara Goldmuseum

Unmittelbar an der E 75/E 4, am Rand des Urho-Kekkonen-Nationalparks, liegt das ehemalige Goldgräberdorf Tankavaara. Hier befindet sich ein großes Info-Zentrum zum Nationalpark, aber auch ein Museum zum finnischen Goldrausch. Abenteurer können natürlich zum Goldschürfen aufbrechen und finden die Kulisse eines Goldgräberdorfes mit Gebäudenachbildungen aus aller Welt vor.

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Goldschürfen in Tankavaara

Bevor die Touristen nach Lappland kamen, waren es im 19. Jahrhundert die Goldsucher, nachdem ein gewisser J.G. Boucht in der Nähe von Kemi 1836 ein goldhaltiges Stück Dolomit fand. Damals wurde diese Provinz vom russischen Zaren regiert, der sich durch die Funde eine Aufbesserung der Staatskasse erhoffte. 1868 lösten Funde von erheblichen Mengen des gelben Staubs im Inarijoki einen Goldrausch in Nordfinnland aus. 1869 wuschen die beiden Seeleute Jakob Ervast und Niklas Lepistö zwei Kilogramm Gold aus dem Lemmenjoki. Bis zu 500 Glückssucher bevölkerten die Ufer der lappländischen Flüsse, die Funde standen aber stets im Schatten der großen Claims in Alaska, Kanada oder Australien.

Das Gold von Tankavaara wurde 1934 von den Samen des nahe gelegenen Dorfes Purnumukka gefunden. Die Entdeckung zog mehrere finnische Goldsucher und auch einige ausländische Bergbauunternehmen an. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es nochmals zu einem unbedeutenden Mini-Goldrausch. Seit 1950 wurde das Tankavaara-Gebiet vom Geologischen Dienst Finnlands zu Forschungszwecken genutzt, und 1970 begann schließlich der Tourismus.

Das Goldmuseum von Tankavaara wurde 1973 eröffnet. Auf 2.000 m² wird die Geschichte des Goldwaschens von den Anfängen vor 4000 Jahren in Ägypten bis heute vorgestellt. Dies wird mit originalen Fotografien und Schaustücken bewerkstelligt.

Beim Besucherzentrum in Tankavaara hat man mehrere Pfade angelegt, die zu Wanderungen in die sonst schwer bis kaum zugängliche nordische Landschaft einladen. Wir wählen den knapp 10 km langen Kuukkeli-Pfad., der auf den 429 m hohen Pikku Tankavaara hinaufführt.

Kuukkeli – Unglückshäher

Unglückshäher, auf Englisch „Siberian Jay“ oder auf Finnisch „Kuukkeli“, leben in den nördlichen Breitengraden und bleiben auch den Winter über hier. Sie gehören zur Familie der Rabenvögel und bevorzugen als Lebensraum die Nadelwälder und die Taiga in Mittel- und Nordskandinavien.

Weil der Vogel in Mitteleuropa nicht beheimatet ist, und nur in harten Wintern südwärts wandert, glaubten die Menschen im Mittelalter daran, dass er Unglück bringt und nannten ihn deshalb Unglückshäher.

In Finnland ist er dagegen ein Glücksbringer und Freund der Jäger und Waldarbeiter. Die Finnen glauben, dass die Seele eines Jägers in den Kuukkeli übergeht. Sie nennen ihn deshalb auch Seelenvogel. Wer einen Kuukkeli tötet, wird sein Leben lang vom Pech verfolgt.

Zunächst verläuft der Pfad noch eher flach über weichen Boden durch Mischwald. Bereits nach wenigen Metern treffen wir auf eine erste Schautafel, die über eine deutsche Schutzwallstellung von 1944 und den sogenannten Lapplandkrieg informiert.

Schlacht von Tankavaara

Vom 26. bis 31. Oktober 1944 wurde zwischen den sich zurückziehenden deutschen Truppen und der finnischen Armee die Schlacht von Tankavaara ausgetragen. Spuren dieser Anlage sind noch heute im Bereich des Wanderpfades zu erkennen und einige der weiteren Tafeln in finnischer, englischer und deutscher Sprache greifen das Thema abermals auf.

Die Wegmarkierung – weißer Kiefernzapfen auf orangefarbenem Grund – ist in regelmäßigen Abständen an grünen Holzstäben angebracht. Der Kuukkeli-Pfad führt nun über Holzbohlen, und steigt bald allmählich an. Während der hier schmalere und zum Teil auch steinigere Pfad steiler wird, lichtet sich der zuvor dichte Wald und macht spärlichem Birkenbewuchs Platz.

Schließlich erreichen wir das Gipfelplateau des Pikku Tankavaara, der die Baumgrenze jedoch nicht ganz überschreitet. Hier steht ein kleiner Aussichtsturm aus Holz, von dessen Plattform aus wir die Umgebung bewundern können. Aufgrund der eher geringen Höhe der umliegenden Hügel und Wälder haben wir eine fantastische Weitsicht in quasi alle Richtungen.

Nach dem Turm führt der Pfad noch etwas weiter durch den spärlichen Bewuchs auf steinigem Grund, dann beginnt der Abstieg. Bald gelangen wir wieder in dichteren Wald. Nach einem mit Holzbohlen versehenen Waldweg erblicken wir einen Rastplatz mit einer kleinen Kota und einer offenen Feuerstelle. Dahinter geht der Holzbohlenweg wieder in einen weichen Waldpfad über und mit nur noch sehr geringem Gefälle wandern wir das letzte Stück zum Naturzentrum. Der Weg endet an einem weiteren Holztor, das gegenüber dem Start-Tor steht.

Von hier ist es nur ein Katzensprung bis zum Goldmuseum.

Dieter Moßbrucker
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Über Dieter Moßbrucker

Dieter ist Ehemann, Vater und Opa, Wanderer und Trekker, Computer- und WordPress-Fan – und versucht, alles unter einen Hut zu bekommen. Seit vielen Jahren lieben wir das Wandern, Kanu- oder Fahrradfahren: am Bodensee, in Skandinavien, in den Alpen oder entlang verschiedener Flüsse. Seit Herbst 2015 gibt es diese Seite mit vielen neuen Berichten über Trekkingtouren und Wanderungen. Die früheren Berichte ab 1993 findet ihr auf der alten wildnis-wandern Seite.

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